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künstlerkolonien, künstlerhäuser und "kreativ-immobilien"

"künstlerkolonien" und ihre städtische form "künstlerhäuers" sind klassische künstlerInnengemeinschaften als idee des zusammenleben und -arbeitens an einem ort - als "kolonie" dann auch vorzugsweise auf dem land - eine vorstellung, stark geprägt durch "worpswede" oder auch durch die künstlerInnen-gemeinschaft auf dem "monte verita" hier noch eine weitergehende seite - auch zur lebensreformbewegung .

ein "experiment in living" ist die idee "künstlerkolonie"wohl immer noch. die hoffnung auf ein sich gegenseitig stützendes untersich-sein von künstlerInnen, mit möglichkeiten über selbstversorgungsstrukturen auch den lebensunterhalt leichter zu bestreiten - ggf. eine gemeinsame autorInnen-galerie oder einen verkaufssraum zu betreiben - alles in allem eine optimierung der alltagsumgebung ohne vereinzelung- ist für manche ein traum.
immer noch.
einige kleinstädte und orte entdecken ihre früheren künstlerkolonien inzwischen neu - die kommunen brauchen geld und mit bekannteren namen von künstlerInnen lassen sich touristInnen von eingefahrenen wegen weglocken.
z.b.:
neue künstlerkolonie brannenburg e. v. gegründet 1999 ( text aus wikipedia)
brannenburg war bis weit ins 20. jahrhundert eine rege künstlerkolonie. zahlreiche künstlerpersönlichkeiten wie christian mali, theodor pixis, wilhelm busch, max liebermann, ernst maria fischer, prof. georg sauter, karl caspar, maria caspar-filser und die baumeister dientzenhofer hatten ihren zeitweiligen aufenthalt oder lebensmittelpunkt in brannenburg. die neue künstlerkolonie brannenburg möchte den interessierten mitbürgern diese vergangenheit wieder näher bringen und gleichzeitig bewusst machen, dass in brannenburg und umgebung noch reges kunstschaffen stattfindet. die geschichte der ehemaligen künstlerkolonie brannenburg kann in einem geführten kulturspaziergang erwandert werden.

für hiddensee gilt das wohl auch:
"die insel hiddensee. sie hatte ab anfang des 20. jahrhunderts den ruf einer künstlerkolonie. künstler_innen aller art verbrachten hier die sommermonate und hielten ihre eindrücke fest. auch während der zeit der ddr hielten sich zahlreiche künstler_innen regelmäßig auf hiddensee auf und reflektierten den alltag und die einmalige landschaft in ihren gemälden, blättern und büchern. des weiteren gibt es ein zeltkino und die seebühne (figurentheater) in vitte und die galerien am seglerhafen in vitte und am torbogen in kloster."

aber hier ist es vielleicht ein doch eher halbherziger versuch- denn die chance dort mit einem gret palucca-haus auf die tänzerin, ihre geschichte und ihren bezug und den ihrer freundInnen zu hiddensee hinzuweisen - interessierte am ausdruckstanz hinzulocken -wurde aktiv vertan.
ein blog informiert

aktuell ist der "künstlerInnen-kolonie" ansatz in städten als "künstlerhäuser" zu finden - entweder als zusammenschluss von künstlerInnen auf der suche nach bezahlbaren wohn/ateliers, ggf. auch durch das
besetzen leerstehender häuser oder arreale - heute fast schon eine neue form des denkmal-schutzes.

ein paar links zu künstlerhäusern in hamburg:

dosenfabrik

elektrohaus

frise

künstlerhaus sootbörn

westwerk

und zu den künstlerarealen, die derzeit in hamburg versuchen andere
visonen des künstlerischen zusammenarbeitens mit "denkmalschutz von unten"
und kritischer stadtplanung zu verbinden

anna elbe

frappant

gängeviertel

vorwerkstift



dann - auf der fast entgegengesetzten position - gibt es einen trend zu "kreativ-immobilien".
zu beobachten. gefördert mit öffentlichen mitteln werden zumeist grössere komplexe
künstlerInnen und deren organisationsideen wie produzentengalerien, agenturen angetragen -
künstlich geschaffene künstlerhochburgen - oder käfighaltung für künstler ?


ein beispiel in paris - plan und wirklichkeiten
104 - centquatre "wo im einstigen monopol der städtischen bestatter handwerker wie schreiner oder blumenbinder aktiv waren, präsentieren heute künstler aller sparten in offenen ateliers, bühnen und studios ihr tägliches schaffen.
auf 39.000 quadratmetern erstreckt sich das areal für choreografen, tänzer, musiker, schauspieler, maler, bildhauer und objektkünstler und ist in seiner art weltweit einzigartig. „als wir unsere idee erstmals der stadt vorstellten, wurden wir für verrückt erklärt“, erinnert sich constance de corbières.
etwa 100 millionen euro hat die stadt paris inzwischen in das 104 investiert. das aufwendig umgebaute centquatre im 19. pariser arrondissement bietet künstlerateliers und infrastrukturen für das publikum. seine eröffnung im riesigen hallenkomplex des früheren städtischen bestattungsunternehmens versinnbildlicht auch die erneuerung des viertels. hier werden zeitgleich rund 200 künstler aus aller welt zwischen 2 und 12 monate lang in 17 ateliers arbeiten und – von den 60 mitarbeitern der institution unterstützt – jährlich schätzungsweise 750 000 besucher anlocken. 
früher nannten die pompes funèbres ihre arbeitsstätte schlicht 104, die hausnummer der rue d’aubervilliers 104 im 19. pariser bezirk. daher wurde dieser name auch für das neue „etablissement artistique de la ville de paris“ beibehalten. constance de corbières, geschäftsführerein des 104, begründet dies: „die vertrautheit der bevölkerung soll damit bewahrt bleiben. die einheimischen sollen sich hier mit internationalen künstlern treffen, die ihre werkstätten für jedermann öffnen. auch cafés und bistrots sollen hemmschwellen beseitigen.“
einzelkünstler oder gruppen werden als „artists in residence“ eingeladen, für arbeit und unterkunft, je nach projekt von einem monat bis zu einem jahr. die kunstschaffenden gewähren den besuchern einblick in ihre arbeiten, die in performances, konzerten und festivals im 104 auch öffentlich präsentiert werden. also ein spannender schmelztiegel aller kulturellen sparten, für jedermann und jederzeit zugänglich. und obwohl schon ganz paris vom 104 spricht, ist diese ministadt der neuen künste touristisch noch unentdeckt."

dieser text enstand im märz 2009
auch die offizielle homepage will dies verdeutlichen.aber es funktioniert nicht so, wie von den stadtstrategen geplant. das 104 - ein hermetisch abzuriegelnder und mit stahlgittern gesicherter riesenkomplex - wirkt im alltag trostlos und verlassen und scheint nichts weniger zu seinals eine "kreative umgebung". gleichwohl ein enormer space für veranstaltungen aller art - wirkt er ohne solche wie ein riesen-einkaufszentrum nach betriebsschluß.

eine künstler_innen-gruppe hat sich gegründet - der es um eine anderes 104 geht - sie haben eine virtuelle besetzung vorgenenommen und informieren über ihre ziel in einem blog.